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STUDIO

 
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Blauer Affe
Kenner


Anmeldungsdatum: 24.10.2005
Beiträge: 15

BeitragVerfasst am: 16.01.2006 02:58:55    Titel: STUDIO Antworten mit Zitat

Hallo,

Ich hatte diesen Beitrag schon einmal in einem anderen Forum gepostet, bin aber der Meinung, hier passt er auch ganz gut. Also – für alle die ihn noch nicht kennen:

In der Fahrenholzstraße, Cuxhaven, gab es in den Sechzigern die Tanzbar STUDIO. Ein kleiner, unscheinbarer Laden. Im Keller. Mit Cocktailsesseln. Der Besitzer hieß Hoffmann oder Hofmann und sah aus wie weiland Lou van Burg - nur ohne Zähne. Von uns »Schnurri«genannt, weil er in Abständen den Hals reckte als wäre sein Hemdkragen zu eng, den linken Mundwinkel nach unten zog und gurrte. Wie ein Täuberich. Alle zwei Minuten. Nach einer halben Flasche Scotch auch öfters.

Der hatte, glaube ich, ein Faible für indonesische Gruppen. Jedenfalls haben dort oft welche gespielt. Deren Charme machte, für mich damals, die ausgesuchte Freundlichkeit aus. Außerdem konnten sie wirklich auf ihren Instrumenten spielen (was ja nicht bei allen Gruppen der Fall war) Auch ein Musikwunsch wurde morgens um fünf noch mit einem Lächeln erfüllt, ohne gleich um eine Runde Bier angehauen zu werden. Außerdem waren die Jungs nie bekifft und selten besoffen. Dennoch dem Weltlichen nicht abgeneigt. Allah sei ja weit weg, erklärten sie dann verschmitzt lächelnd. Solch lockerer Umgang verschiedener Glaubensrichtungen war damals noch möglich.

Wenn am Wochenende die Kasse gestimmt hatte (was oft der Fall war, denn der Laden war dann gut besucht) verzog sich Schnurri mit seiner, meist attraktiven Thesenkraft nach Travemünde. In die Spielbank. Zocken. Dann trafen sich Gäste und Musiker vor verschlossener Tür und warteten. Das konnte allerdings dauern: Je nachdem welche Strähne Schnurri erwischte. Er war auch schon spontan nach Teneriffa geflogen wenn Fortuna ihr Füllhorn über das Lotterpaar ausgeleert hatte. Aber meistens war er nach drei Tagen wieder da. Unrasiert, noch das gleiche Hemd an und die Tresenkraft war weg. Dann gab es wieder Live-Musik vom Feinsten, und Schnurri bediente seine Gäste selber. Nach drei Tagen hatte er dann auch wieder attraktiven Ersatz hinterm Tresen.

Und wenn am Wochenende die Kasse stimmte...aber das kennt ihr ja schon.

Blauer Affe
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Sirpriess
Site Admin


Anmeldungsdatum: 14.10.2005
Beiträge: 135
Wohnort: Cuxhaven

BeitragVerfasst am: 16.01.2006 09:42:13    Titel: Studio war es! Antworten mit Zitat

Schnurri wie Du ihn so schön nennst, hieß mit Vornamen Alois (Nachname stimmt). Die Bands waren Klasse, allerdings gab es auch das ein oder andere mal im Studie Randale. Durfe mich als Mensch der das Gelübte der ewigen Armut (Beamteneid) abgelegt hat nicht häufig sehen lassen. Mochte mein Chef nicht so gern. Kann mich noch an Fotos erinnern bei dem mal ein Sessel in der Musikbox stand, oder Stuhlbeine in den Fenstern steckten. Mal wieder ein Versicherungsschaden. Der Mann war wie Du ihn beschriebst. Er hatte mit nichts zu tun. Kommt mir vor wie gestern. Habe gerade mit einer Kollegin aus der damaligen Zeit gesprochen. Je länger das Telefongespräch dauerte um so besser wurden ihre Erinnerungen. Wird noch ihre Schuhkartons nach Bildern durchsuchen. Vielleicht ist was für uns dabei.

Super Story von Dir Blauer Affe!

Bis dann
Sirpriess Very Happy
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Ralf Froehlich
Autor


Anmeldungsdatum: 21.10.2005
Beiträge: 365
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 18.01.2006 12:44:45    Titel: Antworten mit Zitat

Auch von mir DANKE, Blauer Affe, für die super Story.
Freue mich sehr darüber!
Natürlich haben wir das "Studio" mit den Indo-Rock-Bands
in unserem Buchprojekt erfasst.
Solche Storys, wie deine, beleben natürlich die Schilderungen.
Gruß
Ralf
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Plattendreher
Forumianer


Anmeldungsdatum: 23.10.2005
Beiträge: 28
Wohnort: anne Küst

BeitragVerfasst am: 18.01.2006 06:52:16    Titel: Antworten mit Zitat

zum "Studio" kann ich auch noch etwas beitragen. Da ich nebenan in der "Druckerei Vorrath" meine Lehre als Buchdrucker absolvierte bekam ich natürlich einiges mit.

Schnurri bezeichnete sich immer als erster Reeder zwischen HH und Cux nach dem Krieg. Nur, ein Schiff gab es nie zu sehen. Die Mobilarschäden die hier so nett beschrieben wurden kann ich bestätigen. In ziemlich regelmäßigen Abständen kamen ein paar "Jungs" aus HH um wohl ausstehende Zahlungen einzutreiben. Die zertrümmerte Box ist mir auch gut in Erinnerung. Dann hatte Schnurri wohl keine Kohle.

Und ich meine, er war der erste in Cuxhaven der seine Lokaltür immer zu hatte. Wer rein wollte musste einen Klingelknpf drücken. Neben der Tür war eine Art Bullauge, so konnte er immer sehen ob die "Möbelpacker" aus HH vor der Tür standen.

Die Druckerei ist längst geschliffen. Aber das alte Gemäuer vom "Studio" steht immer noch und wurde vor ein paar Wochen wieder eröffnet. Heißt jetzt "Flashdance"

Grüsse
Peter
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Carsti
Forumianer


Anmeldungsdatum: 25.10.2005
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 24.01.2006 11:10:03    Titel: Antworten mit Zitat

Peter Riemer hat Folgendes geschrieben:
Und ich meine, er war der erste in Cuxhaven der seine Lokaltür immer zu hatte. Wer rein wollte musste einen Klingelknpf drücken. Neben der Tür war eine Art Bullauge, so konnte er immer sehen ob die "Möbelpacker" aus HH vor der Tür standen.

War das damals, bzw. etwas später gang und gebe? Heutzutage nennt man sowas CIA/NSA-Ziel (umgangssprachlich Privatparty genannt).
Wobei ich schon einmal irgendwie von den "Möbelpackern" gehört habe...

Viele Grüße,
Carsti
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Ch.Mangels
Moderator


Anmeldungsdatum: 23.10.2005
Beiträge: 78
Wohnort: Otterndorf

BeitragVerfasst am: 22.10.2006 10:49:02    Titel: Studio Antworten mit Zitat

Sagt mal, lebt dieser Alois Hoffmann eventuell noch? Wäre für ein Interview interessant, da wir über das "Studio" relativ wenig Material haben.

In einer alten Akte des Jugendamtes, die mir vorliegt, steht übrigens als "Studio-Betreiber" ein "S. Hoffmann", kein Alois.

Christian
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